VERANSTALTUNGSDETAILS

KINOTAG im Spessart FORUM Kultur

Freitag, 08. April 2022,
von 16:00 Uhr bis 22:00 Uhr
 
Kurzbeschreibung:
Um 16.00 und 19.30 Uhr wird jeweils ein aktueller Kinofilm gezeigt.
 
Veranstaltungsort:
Spessart FORUM Kultur

Bad Soden Salmünster / Stadtteil:
Bad Soden
 
Beschreibung:

16:00 Uhr | IN 80 TAGEN UM DIE WELT

Jules Vernes "In 80 Tagen um die Welt" gehört zu den meistverfilmten Romanen der Welt. Erst jüngst gab es auch eine neue Serien-Version mit David Tennant. Die französisch-belgische Ko-Produktion aus dem Jahr 2020 wiederum nimmt die Vorlage, um daraus einen soliden Film für die kleinsten Zuschauer zu machen. Wie bei der großen Vorlage geht es auch hier um eine abenteuerliche Reise rund um den Globus - nur dass die Hauptfiguren ein Frosch und ein Affe sind.

Das Seidenäffchen Passepartout träumt seit langer Zeit von Abenteuern in exotischen Ländern, aber mit einer Helikopter-Mama ist es undenkbar, dass diese Träume je Wirklichkeit werden. Da taucht der Frosch Phileas Frogg in der Siedlung auf. Er hat eine etwas arrogante Art und wettet alsbald, dass es ihm gelingt, die Welt in 80 Tagen zu umrunden. Als Preis winken ihm dafür zehn Millionen Muscheln. Passepartout sieht in Grogg die Chance, endlich seinen Träumen Taten folgen lassen zu können. Beide begeben sich auf eine abenteuerliche Reise, immer verfolgt von Inspektor Fix, einer Wüstenrennmaus, die hinter Frogg her ist.

Es dauert etwas, bis die Reise wirklich in Gang kommt. Ein Viertel des Films ist vorbei, bevor das ungleiche Duo Phileas Frogg und Passepartout endlich aufbricht. Was dann folgt, ist ein wilder Trip mit allerhand Hindernissen. So bleiben beide in der Wüste bis zum Hals im Sand stecken, können sich aber rettenm weil die Hauptfiguren eben Tiere und keine Menschen sind. Phileas Froggs unglaublich lange Zunge erweist beiden einen guten Dienst.

Die Autoren haben die Grundsituation von Jules Vernes Roman genommen, ersinnen aber recht eigene Ideen, was diese Reise betrifft. Das macht den Film für Verne-Enthusiasten insofern interessant, weil man mit der Kenntnis des Romans die Unterschiede beobachten kann. Allerdings ist das sicherlich nur ein kleines Vergnügen, denn "In 80 Tagen um die Welt" ist in erster Linie ein Animationsfilm für ein wirklich junges Publikum. (Peter Osteried)

Frankreich/ Belgien 2020, Regie: Samuel Tourneux, Animationsfilm, 82 Min., ab 0 J.

 

19:30 Uhr | WUNDERSCHÖN

Ein gewichtige Thema, leicht verpackt: Regisseurin (und Ensemblemitglied) Karoline Herfurth nimmt in Ihrem dritten Spielfilm den Selbstoptimierungswahn aufs Korn. Episodisch begleitet sie fünf Frauen, von der Teenagerin bis zur Buchhändlerin kurz vor der Rente, bei ihrem Stress mit oft verleugneten, aber tief verankerten Schöhnheitsidealen. Das Publikum darf sich dabei genüsslich zurücklehnen, wird aber von Zeit zu Zeit bei den eigenen Irrwegen und Fehlentscheidungen gepackt.

„Ich will, dass ihr authentisch seid“, verlangt der Fotograf von leichtbekleideten, superschlanken, aufreizenden Models. Ist das ein schlechter Witz? Oder die neueste Version von Frauenverachtung? Unter dem Mäntelchen angeblich positiver Körperakzeptanz singen Werbung, Frauenmagazine und Youtuberinnen das alte Lied eines Schönheitsideals, dem alle hinterher rennen, ohne es jemals zu erreichen. Selbst Julie (Emilia Schüle), eines der Models, soll angeblich zu dick sein. Und doch gibt das Ideal ihrer Branche den Maßstab für Frauen jeglichen Alters, jeglicher Figur und jeglicher Physiognomie vor. Etwa für Buchhändlerin Frauke (Martina Gedeck), die sich von ihrem pensionierten Ehemann (Joachim Król) nicht mehr gesehen fühlt. Oder für die zweifache Mutter Sonja (Karoline Herfurth), die ihren von Schwangerschaft und Geburt geprägten Körper gegen die frühere Version ihrer selbst eintauschen möchte.

Noch heftiger ist die Lage für Teenager Leyla (Dilara Aylin Ziem), die wegen ihrer Pfunde krass gemobbt wird. Nur die feministisch angehauchte Lehrerin Vicky (Nora Tschirner) hängt ihr Glück nicht an Äußerlichkeiten. Sie macht die Männer zum Sexobjekt, nicht umgekehrt. Keine Liebe, keine Abhängigkeit, keine Anpassung.

Kein Mann ist auch keine Lösung, scheint hingegen Regisseurin Karoline Herfurth zu denken, deren Dramödie nicht auf das billige Abtun des ganzen Selbstoptimierungsquatsches abzielt. Mit leichter Hand und vielen Gags, aber nicht unernst zwingt sie die Zuschauerin und den Zuschauer, sich in wenigstens einer Figur ihres Ensemblefilms gespiegelt zu sehen. Denn es ist ja so: Kaum einer, zumindest von den kleinbürgerlichen Schichten aufwärts, würde zugeben, dass ihm Äußerlichkeiten wichtiger seien als die viel gepriesenen inneren Werte. Trotzdem sagen laut einer Umfrage der US-Zeitschrift „Glamour“ 80 Prozent der teilnehmenden Frauen, dass sie sich beim Blick in den Spiegel schlecht fühlen. „Wunderschön“ leuchtet hinter die Fassade, lotet tief sitzende Prägungen und Peinlichkeiten aus, die im Regelfall unterm Teppich bleiben. Aber wenn das Licht im Kinosaal ausgeht und eine Komödienspezialistin wie Karoline Herfurth den ganz normalen Alltag der Geschlechterverwirrungen auf die Leinwand holt, darf der Teppich eingerollt werden.

Lange verrät der episodische Film nicht, in welcher Beziehung die meisten der fünf Frauen zueinander stehen. Das erlaubt ihm assoziative Montagesequenzen, die etwas Erschreckendes nahelegen, ohne es explizit auszusprechen: Ein ganzes Leben lang, von der Pubertät bis zur Rente, müssen Frauen mit aufoktroyierten Rollenbildern kämpfen. Die einfache Lösung der „Body-Positivity“-Bewegung, nämlich sich in seinem Körper vorbehaltlos wohl zu fühlen, ist leichter gesagt als getan, wie Karoline Herfurth in ihren komplexen, dem Leben abgeschauten Figuren deutlich macht. Weil sie ihre Geschichte so nah am echten weiblichen Alltag ansiedelt, spielen weitere Themen hinein: das Zurückdrängen der Frauen in die Mutterrolle, die fehlende Vereinbarkeit von Karriere und Familie, die gerechte Aufteilung von Haushalt und Kindererziehung. (Peter Gutting)

Deutschland 2019/2020, Regie: Karoline Herfurth, Darsteller: Karoline Herfurth, Nora Tschirner, Martina Gedeck, Emilia Schüle, Dilara Aylin Ziem, Joachim Król, Friedrich Mücke, Maximilian Brückner
131 Minuten, ab 0 J.

Bitte denken Sie an die Einhaltung der aktuellen Corona-Maßnahmen.

 
Veranstalter: Internet-Adresse:
Kurbetrieb Bad Soden-Salmünster und Cine-Max GmbH
 
Kosten: Vorverkaufsstelle:
Tages-/Abendkasse: 6,00 € / 7,00 € (Angabe ohne Gewähr)
 
Dokument: