VERANSTALTUNGSDETAILS

KINOTAG im Spessart FORUM Kultur

Freitag, 06. November 2020,
von 16:00 Uhr
 
Kurzbeschreibung:
16.00 Uhr: "OOOPS! 2 – Land in Sicht" und 19.30 Uhr: "Die Misswahl – der Beginn einer Revolution"
 
Veranstaltungsort:
Historischer Konzertsaal, Spessart Therme

Bad Soden Salmünster / Stadtteil:
Bad Soden
 
Beschreibung:

16.00 Uhr: OOPS! 2 – LAND IN SICHT

Vor fünf Jahren erlebte man mit, wie der findige Nestrier Dave eine Arche baute, um das Überleben aller Tierarten zu sichern. Das Kuriose war damals schon, dass der Organisator einer Tierart angehört, die die Sintflut eigentlich nicht überstanden haben dürfte. Oder hat man zuvor schon mal von einem Nestrier, einem merkwürdig-buntem Tier, das unter Wasser und an Land leben kann, gehört? Der zweite Teil erzählt nun, wie es weitergeht, wirkt in mancherlei Hinsicht aber nur wie eine Wiederholung dessen, was man schon gesehen hat.

Auf der Arche lief es auch schon mal besser – damals, als noch genügend Nahrungsvorräte für 50.000 Tiere vorhanden waren. Dass es knapp wird, verheimlicht der Nestrier Dave, der als Koch für die Bewirtung zuständig ist und versucht, die hungrige Meute mit Pampe bei Laune zu halten. Aber das ist nicht das einzige Problem. Denn als die letzten Vorräte über Bord gehen, schwappt es auch die Kinder Finny und Leah ins Meer. Die beiden Kinder retten sich auf ein provisorisches Floß und erhalten bald Zuwachs durch eine Qualle, die vor den Haien flieht. Dann werden sie getrennt. Finny findet sich in einer Kolonie seines Volks wieder, Leah auf einer Insel. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn die Freunde müssen sich finden, die Kolonie vor der Zerstörung durch einen Vulkan bewahren und einen Friedensvertrag zwischen den hungrigen Tieren der Arche und der Kolonie aushandeln. Schließlich will niemand gefressen werden. (Peter Osteried)

Deutschland / Luxemburg / Irland / 2019, Regie: Toby Genkel, Sean McCormack, Darsteller: Christian Ulmen, Janin Ullmann, Tim Mälzer, Länge: 86 Minuten, ab 0 Jahre

Eintritt Kinder 5,00 € | Tickets gibt's direkt beim Eintritt

19.30 Uhr: DIE MISSWAHL – DER BEGINN EINER REVOLUTION

Mit ihrer unwiderstehlichen Hymne auf den Kampf der Frauenbewegung Anfang der 70er Jahre trifft Regisseurin Philippa Lowthorpe einen Nerv. Zeitgemäßer könnte ihre vielschichtige Hommage an weibliche Zivilcourage nicht sein. Basierend auf den wahren Ereignissen um die Wahl zur „Miss World“ 1970 in London, funktioniert ihr charmant inszenierter feministischer Agitprop mit seinen sorgfältig komponierten, detailgetreuen Bildern als packende Geschichtsstunde. “Die Misswahl” ist lebendiges, gefühlvolles, echtes Erzählkino. Ein unbedingt sehenswerter Frauenfilm mit der grandiosen Keira Knightly in der Hauptrolle sowie einem exzellenten Schauspielensemble, der auch ein männliches Publikum nicht kalt lassen sollte.

London 1970, Royal Albert Hall. „Ich habe genug von den Emanzen, die behaupten, das sei nichts als ein Viehmarkt“, verkündet der legendäre amerikanische Entertainer Bob Hope (Greg Kinnear) als Moderator des alljährlichen „Miss World“-Wettbewerbes. „Bei mir geht das bei einem Ohr rein und zum Euter wieder raus“. Neben Großveranstaltungen wie den Olympischen Sommerspielen oder der Mondlandung zählt der Schönheitswettbewerb zu den historischen Ereignissen. Doch der smarte Chauvi erlebt diesmal bei der weltweit beliebtesten Livesendung mit 100 Millionen Zuschauern an den Fernsehgeräten rund um den Globus, eine besondere Überraschung. Eine spektakuläre Aktion sorgt für Schlagzeilen.

Doch noch kurz vor der Gala erklärt Organisator und Impresario Eric Morley (Rhys Ifans) freilich den wartenden Journalisten selbstsicher:„Wenn die Maße nicht 90,60, 90 sind, sitzen die Kurven nicht an den richtigen Stellen“. Und so stehen die Bewerberinnen Schlange, um gemessen zu werden. Darunter die schwarze Südafrikanerin Pearl Jansen (Loreece Harrison). In letzter Minute wurde die Fabrikarbeiterin eingeflogen. Scheinheilig wollten die Veranstalter damit der britischen Antiarpartheidbewegung den Wind aus den Segeln nehmen. Und so entsteht die groteske Situation, dass plötzlich zwei „Miss Südafrika“ auftauchen: eine weiße und eine afrikanische, dem allgemeinen Rassismus zum Trotz. Und auch mit Miss Grenada Jennifer Hosten (Gugu Mbatha-Raw) hofft eine weitere „Woman of Colour“ auf den Sieg. Die alleinerziehende Mutter und Geschichtsstudentin Sally Alexander jedoch findet das angeblich familientaugliche Massen-Entertainment wenig amüsant.
Was wird aus ihrer kleinen Tochter Abbie (Maya Kelly), wenn sie später nach ihren Bikini-Maßen bewertet wird? Als sie sieht, wie Abbie den Fernsehbericht über den bevorstehenden Miss World Wettbewerb regelrecht aufsaugt und die Schönheitsköniginnen imitiert, ist sie entsetzt. Nicht umsonst nahm sie vor kurzem, frustiert über die Ignoranz ihrer männlichen Kommilitonen, am ersten Treffen der neu gegründeten Frauenbewegung teil. Dort lernt sie die rebellische Jo Robinson (Jessie Buckley) und ihre Mitstreiterinnen aus dem Women‘s Liberation Movement kennen.

Entschlossen beschließt sie zusammen mit der Gruppe die sexistische Show zu boykottieren und ein Zeichen für alle Frauen zu setzen. In einer scheinbar ausgewogenen Fernsehdiskussion bringt Sally die Situation auf dem Punkt: „Warum sollte sich eine Frau ihren Platz in der Welt verdienen müssen, indem sie besonders aussieht?“ Das gelte für Männer doch auch nicht. Die intensive Präsenz von Hauptdarstellerin Keira Knighly besticht in jeder Szene. Die kapriziöse, selbstkritische Londonerin mit den gemeißelten Wangenknochen, deren impulsive Grazie an Audrey Hepburn erinnert, ist längst zu einer ernsthaften Schauspielerin gereift.

Wieder einmal beweist die 35jährige, dass sie nicht nur ein Faible für starke Frauen in historischen Kostümdramen besitzt. Dieses enge Korsett zu verlassen und mutige Frauen in der Jetztzeit zu verkörpern kommt der aparten Stilikone sichtlich entgegen. Das zeigte die Mutter von zwei kleine Töchtern nicht zuletzt als Whistleblowerin Katharine Gun im spannenden Politthriller „Official Secrets“. „Sexuelle Diskriminierung existiert noch immer, und oft werden Frauen vor allem wegen ihres Aussehens geschätzt“, weiß sie. Und: „Die einzige Industrie der Welt, in der Frauen besser als Männer bezahlt werden, ist das Model Business“.

Regisseurin Philippa Lowthorpe lädt ein auf eine erhellende Zeitreise, die mit der Ernennung der „Miss World“ aus Grenada zumindest in Sachen Rassismus damals etwas Fortschritt zuließ. Doch um Frauen aus der Schublade des schmückenden Beiwerks von Männern, zu befreien, muss noch einiges passieren. Und so ist dem Satz im Abspann: Die „Bemühungen, das Patriachat zu Fall zu bringen, dauern bis heute an“ nichts hinzuzufügen.  (Luitgard Koch)

Großbritannien 2019, Regie: Philippa Lowthorpe, Darsteller: Keira Knightly, Gugu Mbatha-Raw, Jessie Buckley, Rhys Ifans, Greg Kinnear, Lesley Manville, Phillys Logan, Loreece Harrison, Clare Rosager,
Länge: 106 Minuten, ab 0 J.

Eintritt 7,00 € (mit gültiger Kurkarte 6,00 €) | Tickets gibt's direkt beim Eintritt

Es ist gerade mal 50 Jahre her, dass die Frauenbewegung richtig in Bewegung kam. Geändert hat sich seitdem einiges, aber längst nicht alles, woran Philippa Lowthorpes Film auch am Ende erinnert. Er erzählt von der „Miss World“-Wahl im Jahr 1970, die nicht nur für die Frauenbewegung ein wichtiger Moment war, sondern auch erstmals das gängige Schönheitsbild erschütterte.

 
Veranstalter: Internet-Adresse:
Kurbetrieb Bad Soden-Salmünster und Cine-Max GmbH
 
Kosten: Vorverkaufsstelle:
Tages-/Abendkasse: 5,00 € / 7,00 €
 
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